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Festung

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Festung
Elisa Essig, Ansgar Göbel
Deutschland 2011 - Regie: Kirsi Marie Liimatainen - Darsteller: Ursina Lardi, Peter Lohmeyer, Elisa Essig, Ansgar Göbel, Antonia T. Pankow, Karoline Herfurth, Bernd Michael Lade - Prädikat: wertvoll - FSK: ab 12 - Länge: 88 min. - Start: 29.11.2012
Beschreibung

Das Zimmer liegt im Halbdunkel. Die Rollladen an den Fenstern sind bis auf winzige Sehschlitze heruntergelassen. Das adrette Einfamilienhaus verschließt sich vor der Nachbarschaft. Die Geschwister Johanna (Elisa Essig), 13, und Moni (Antonia T. Pankow), 6, sind wie erstarrt und wagen sich nicht zu rühren. Die Mutter (Ursina Lardi) liegt neben ihnen auf dem Bett.

Alles sollte anders, schöner werden. Vor kurzem erst ist der gewalttätige Vater Robert (Peter Lohmeyer) von einer Therapie nach Hause zurückgekehrt. Die Familie scheint wieder vereint und intakt. Aber nichts hat sich geändert. Der Vater kann seine Aggression gegen die Mutter nicht unterdrücken. Er hat sich selbst nicht in der Gewalt.

Jede der drei Töchter sucht ihren eigen Ausweg in der Bedrohung: Moni, die jüngste, verschließt die Augen und begegnet der Situation mit Zorn, die älteste Schwester (Karoline Herfurth) - längst ausgezogen - kehrt immer wieder zurück, um zu provozieren und anzuklagen. Johanna, die 13-jährige, schweigt, verheimlicht, lügt. Alle wahren nach außen den Schein, aus Scham und aus Angst davor, die Familie zu zerstören.

Da wird die Fassade aus Verheimlichung und Wegschauen unerwartet erschüttert: Johanna ist das erste Mal verliebt. In Christian (Ansgar Göbel), 15, den Sohn ihres Sportlehrers. Das Mädchen steht nun zwischen den Fronten. Sie will die Familie retten, die Mutter und die kleine Schwester beschützen, aber sie möchte auch ihre erste Liebe erfahren dürfen. Zerrissen zwischen dem strengen Pflichtgefühl, ihrer Loyalität gegenüber der Familie und dem langsam wachsendem Vertrauen zu ihrer Jugendliebe, muss Johanna sich entscheiden. Und handeln.

Berührend, behutsam und äußerst sensibel beschreibt die finnische Regisseurin Kirsi Marie Liimatainen die häusliche Gewalt gegen Frauen in ihrer schrecklichsten Form: in ihrer seelischen Auswirkung. Die Scham der Opfer, die Angst der Kinder und die Ignoranz des sozialen Umfeldes verurteilt die Leidtragenden zu passiver Hinnahme, versteckter Angst und Lügen. Auf brutale Gewaltszenen verzichtet Liimatainen. Aus der Perspektive der 13-jährigen Johanna dringt der Zuschauer immer tiefer in die familiären Zusammenhänge ein und erahnt sukzessive die Dimensionen der psychischen und physischen Gewalt. Er wird gebannt mitgeführt auf dem Weg der heranwachsenden Johanna hin zu einer jungen Frau, die sich selbstbestimmt und souverän der unvermeidlichen Konfrontation stellt, in der beeindruckend intensiven Darstellung von Elisa Essig als Johanna. In ruhigen, unprätentiösen Bildern, versteht es Liimatainen alle ihre Darsteller zu einer schauspielerischen Leistung zu führen, welche die Bedrohung für den Zuschauer erfahrbar macht: Die seelische Erschütterung, die Hilflosigkeit angesichts der über das physische Maß hinausgehenden psychischen Gewaltausübung. Bereits das Drehbuch sorgte für Aufsehen. Autorin Nicole Armbruster wurde im Rahmen der 60. Filmfestspiele in Berlin 2010 mit dem Thomas Strittmatter Drehbuchpreis ausgezeichnet.
Text & Foto: farbfilm

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