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Die Invasion der Barbaren

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Die Invasion der Barbaren
Rémy Girard, Marie-Josée Croze
Kanada / Frankreich 2003 - Originaltitel: Les Invasions Barbares - Regie: Denys Arcand - Darsteller: Rémy Girard, Stéphane Rousseau, Marie-Josée Croze, Marina Hands, Dorothée Berryman, Johanne Marie Tremblay - FSK: ab 12 - Länge: 99 min. - Start: 27.11.2003
Beschreibung

17 Jahre sind vergangen seit Rémys Freundesclique – damals alle thirtysomethings – im schmucken Landhaus am Memphremagog-See über den Untergang des amerikanischen Imperiums philosophierte. Nun hat der kanadische Drehbuch- und Regiezauberer Denys Arcand die hedonistischen Helden von damals noch einmal zusammengetrommelt. Samt ihrer inzwischen erwachsenen Kinder. Denn es ist Zeit Abschied zu nehmen von Rémy, dem sarkastischen, lebenslustigen Geschichtsprofessor und Mittelpunkt des intellektuellen Debattierzirkels.

Jetzt ist Rémy Mitte fünfzig und seit vielen Jahren von Louise (Dorothée Berryman) getrennt. Sébastien (Stephane Rousseau), ihr gemeinsamer Sohn, zögert einen Moment, als seine Mutter ihn bittet, wegen des angeschlagenen Gesundheitszustandes seines Vaters aus seiner Wahlheimat London, wo er eine erfolgreiche Karriere als Börsenmakler betreibt, zurück nach Montréal zu kommen. Zu wenig hatten sich Rémy, der lebenslange Sozialist und Sébastien, der erfolgsverwöhnte Kapitalist, in den letzten Jahren zu sagen.

Aber kaum angekommen, setzt der smarte Sébastien Himmel und Hölle in Bewegung. Er nutzt seine Kontakte und sein Geld, um seinen Vater zu unterstützen. Er unterwandert das marode kanadische Gesundheitssystem, indem er eine leerstehende Etage des überfüllten und chaotischen Hospitals anmietet und sie mit allen Annehmlichkeiten ausstattet, die Rémys letzte Tage erträglicher machen könnten. Dann lädt er alle Verwandten, Freunde und verflossenen Liebschaften seines Vaters zu einem letzten Wiedersehen ein. Und damit der alles bei guter Laune und ohne Schmerzen übersteht, engagiert er Nathalie (Marie-Josée Croze), die Tochter von Rémys Ex-Liebe Diane (Louise Portal). Nathalie weiß, wo man Heroin besorgt und wie man es verabreicht.

So wird die Zeit leicht für Rémy, mitunter fast euphorisch, auch wenn er den geliebten Rotwein nicht mehr runterkriegt und das Lieblingsthema Sex sich nur mehr aus der Erinnerung speist. Die Hedonisten sind in die Jahre gekommen, aber ihren beißenden Spott und ihre Respektlosigkeit haben sie nicht verloren. Doch es sind die Jungen, die die schwierige Situation retten. Allen voran Sébastien, der sich als Glücksfall von Sohn erweist. Und Nathalie, die es schafft, das Netz ihrer eigenen Probleme aufzureißen und ihr Leben wieder neu in die Hand nimmt.

Und die alten Thesen vom Untergang des amerikanischen Imperiums? Haben sie noch Bestand vor dem Hintergrund der Invasion der Barbaren, die gerade die Twin Towers in Schutt und Asche gelegt haben?

Vater und Sohn spüren, aller Gegensätzlichkeit zum Trotz, dass sie sich viel näher sind, als sie es bisher je zeigen konnten. Sébastien, vom Vater liebevoll-spöttisch „Prinz der Barbaren“ genannt, weiß, dass es keinen besseren Ort für den Abschied gibt als das Landhaus, das so viele Jahre Treffpunkt war für die Freunde, ihre Leidenschaften, ihre erotischen Prahlereien und nicht zuletzt für ihre Lebenslügen.

Ein letztes großes Fest feiert Rémy mit seinen Lieben am See, und auch die Trauer über den Anlass ihres Wiedersehens kann ihren Witz, ihren Sarkasmus und ihre Selbstironie nicht unterkriegen.

Arcands zwerchfellerschütternder und dennoch zu Herzen gehender Film über die seit zwei Jahren aus der Ordnung geratene Welt und das Aufeinanderprallen zweier sehr gegensätzlicher Generationen, der in Cannes mit 2 Preisen für das Beste Drehbuch und die Beste Darstellerin ausgezeichnet wurde, ist Familiengeschichte und Weltgeschichte in einem. Und es ist nicht zu übersehen, dass sich der Untergang des amerikanischen Imperiums mit der Invasion der Barbaren fortsetzt...
Text & Foto: Prokino

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