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Birkenau und Rosenfeld

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Birkenau und Rosenfeld
August Diehl, Anouk Aimée
Frankreich / Deutschland / Polen 2002 - Originaltitel: La petite prairie aux bouleaux - Regie: Marceline Loridan-Ivens - Darsteller: Anouk Aimée, August Diehl, Zbigniew Zamachowski - Prädikat: wertvoll - FSK: ohne Altersbeschränkung - Länge: 90 min. - Start: 15.4.2004
Beschreibung

Paris. Myriam (Anouk Aimée), die viele Jahre lang als Filmemacherin und Reporterin in der ganzen Welt unterwegs war, nimmt an einem Treffen von KZ-Überlebenden teil. Voller Freude trifft sie einige ihrer Leidensgenossinnen wieder. Bei einer Verlosung im Rahmen dieser Veranstaltung gewinnt Myriam ein Flugticket nach Krakau.

Die Rückkehr nach Birkenau wird für Myriam zu einer Pilgerfahrt. Als sie das Konzentrationslager wieder betritt, werden lang verdrängte Emotionen ausgelöst. Erinnerungen an ihren Vater werden wach. Alltagsszenen kehren zurück, als sie ihre alte Baracke, ja ihre alte Pritsche wiederfindet.

Am frühen Morgen setzt Myriam ihre Erkundung Birkenaus fort. Sie trifft einen jungen Deutschen Fotografen namens Oskar (August Diehl), der sich zur Aufgabe gestellt hat, "das Unsichtbare zu zeigen", das sich in den Ruinen des KZs verbirgt. Oskar bittet sie, ihm dabei zu helfen, die Spuren zu entschlüsseln und seinen Blick zu schärfen. Zunächst sträubt Myriam sich dagegen. Sie will sich in ihrer eigenen Meditation nicht stören lassen. Aber angesichts der rührenden Hartnäckigkeit des jungen Mannes, gibt sie schließlich seiner Bitte nach. Gemeinsam durchstreifen sie nun das KZ - er zeigt ihr die Orte, sie versucht sich zu erinnern.

So kommen Sie schließlich an einen der schrecklichsten Orte des Lagers: die Ruinen der Krematorien, wo Millionen Menschen nach ihrer Ermordung in den Gaskammern verbrannt wurden. Myriam erzählt Oskar von jenem Geheimnis, das ihr keine Ruhe lässt: Sie war an der Aushebung von Gruben beteiligt, in denen Leichen verbrannt wurden, als die Öfen nicht ausreichten. Myriams Erinnerung an dieses Ereignis ist jedoch lückenhaft.

Vorgeschichte

„Aber im zwanzigsten Jahrhundert, wenn du dich nicht mit den Weltproblemen beschäftigst, was für ein Künstler bist du dann.“ (Joris Ivens)

Marceline Rozenberg wird 1928 geboren. Zwischen 1940 und 1943 leben die Rozenbergs in einem kleinen provenzalischen Dorf im Vancluse. Während dieser Zeit nimmt die ganz Familie an der Résistance teil. Mit ihrem Vater wird sie von der französischen Polizei und der Gestapo verhaftet. Nach Gefangenschaft in Avignon und Marseille werden sie in ein Sammellager in die Nähe von Paris verlegt. Von dort aus erfolgt die Deportation nach Auschwitz-Birkenau. Im Juli 1945 kehrt sie nach Frankreich zurück – ohne den Vater.

„Dreißig Jahre lang habe ich nur an den Krieg gedacht“, sagte Marceline Loridan-Ivens in den achtziger Jahren. „Der Grund war meine eigene Geschichte, war der zweite Weltkrieg, waren die Konzentrationslager. Ich war davon so stark geprägt, dass ich nur leben konnte in Opposition zur Welt. Es gibt Zeiten, in denen man sich als Teil der Geschichte erlebt.

„Wenn ich so viele Jahre habe vergehen lassen, um endlich meinen eigenen Beitrag zum lebendigen Shoah-Gedenken zu leisten, das aus den Erinnerungen derer besteht, die überlebt haben, dann ganz einfach deshalb, weil ich während dieser Zeit nicht dazu fähig war. Das, was ich durch mein Zeugnis hätte weitergeben können, erschien mir dermaßen lächerlich im Vergleich zur erlebten Wirklichkeit, dass ich lieber schweigen wollte“. So Marceline Loridan Ivens.

Als Bernhard Wicki am Ende seines Lebens nach der Zeit im KZ Sachsenhausen befragt wird, schweigt er. Er schweigt eine ganze Tonbandaufzeichnung lang. Es sind die zugefügten, nie geheilten Verletzungen, außerhalb jeglicher Vorstellung, die sprachlos machen.

Primo Levi hat sein erstes Buch „Ist das ein Mensch?“ schon im Jahr seiner Rückkehr nach Italien geschrieben. Ich dagegen brauchte vierzig Jahre, um das Drehbuch dieses Films zu Papier zu bringen – und es fiel mir immer noch nicht leicht“, sagt Marceline Loridan-Ivens weiter. „In dem Drehbuch geht es mir nicht darum, die Vergangenheit wieder lebendig werden zu lassen (wer könnte das schon), sondern der Suche im Erinnern seinen Stellenwert einzuräumen.“

Sieben Jahre kämpfte sie darum, ihren Erinnerungsgang in die schmerzvolle Vergangenheit zu finanzieren und schließlich mit Hilfe ihrer Co-Produzenten Peter Sehr und Marie Noëlle, dem Bayerischen Rundfunk, Gabriela Sperl und dem Film-Fernseh-Fonds Bayern zu realisieren.
Text & Foto: academy films

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