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Der große Diktator [WA]

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Der große Diktator
Charlie Chaplin als Hynkel
USA 1940 - Originaltitel: The Great Dictator - Regie: Charles Chaplin - Darsteller: Charles Chaplin, Paulette Goddard, Jack Oakie, Reginald Gardiner, Henry Daniell, Billy Gilbert, Grace Hayle, Carter De Haven - Fassung: O.m.d.U. - Länge: 124 min. - Start: 30.12.2004
Beschreibung

Tomania wird mit eiserner Hand vom Diktator Adenoid Hynkel regiert. Uniformen, Aufmärsche und eine gewaltige Aufrüstung: Man will die Welt erobern. Unbarmherzig verfolgen Hynkel und seine Schergen die Juden im Land, für die kein Platz sein soll im tomanischen Reich.

Von all dem weiß der kleine jüdische Friseur nichts, der nach 20 Jahren aus dem Hospital entlassen wird. Nach seiner Verwundung im Ersten Weltkrieg hat er das Gedächtnis verloren. Es ist ihm, als habe er erst gestern seinen Laden im jüdischen Ghetto verlassen. Woher soller wissen, dass Hynkels Polizisten nun nach Gutdünken ungestraft plündern und zerstören dürfen?

Beherzt setzt er sich gegen die Übergriffe zur Wehr - und kommt nur durch ein Wunder mit dem Leben davon. Der Offizier Schultz, dem er im Ersten Weltkrieg das Leben gerettet hat, kommt zufällig vorbei, als Hynkels Schergen den renitenten Friseur kurzerhand aufhängen wollen. Er ist ein mächtiger Mann im neuen Tomania geworden und stellt den Friseur und dessen Freunde unter seinen persönlichen Schutz.

Im Ghetto hält ein kaum mehr für möglich gehaltener Frieden Einzug. Sogar für die Liebe ist wieder Zeit. Der Friseur ist ganz verzaubert von Hannah, dem Mädchen aus dem Nachbarhaus. Doch am Abend ihrer ersten Verabredung bricht die Katastrophe wieder ins Ghetto ein, schlimmer als je zuvor. Denn Schultz ist in Ungnade gefallen, weil er sich Hynkels Plänen zur Invasion des Nachbarlandes Osterlich widersetzt hat. Er flieht zu seinem alten Freund ins Ghetto. Dort versucht man alles, um Schultz zu retten. Doch schließlich wird er von Hynkels Männern gefasst und zusammen mit dem Friseur ins Konzentrationslager gebracht.

Hynkel muss derweil alles diplomatische Geschick aufwenden, um seinem Diktatoren-Kollegen Benzino Napaloni aus Bacteria beim Einmarsch in Osterlich zuvorzukommen. Beim Besuch Napalonis in Hynkels Palast wird eine Allianz geschlossen - der Weg für die tomanischen Truppen ist frei. Hynkel begibt sich, als Entenjäger getarnt, ins Grenzgebiet.

Schultz und der Friseur entkommen in tomanischen Uniformen aus dem Konzentrationslager. Sie geraten in die Invasion Osterlichs. Doch die tomanischen Soldaten verwechseln den Friseur mit Hynkel. Und während der echte Diktator auf der Entenjagd von seinen eigenen Truppen als entlaufener KZ-Häftling verhaftet wird, führt man den Friseur auf den Paradeplatz von Osterlichs Hauptstadt. Er soll eine Rede halten. “Reden Sie”, fleht Schultz. “Es ist unsere einzige Hoffnung...”

Über Der große Diktator

Die Ähnlichkeit zwischen der Tramp-Figur Chaplins und Adolf Hitler, manifestiert im absurden Schnurrbart, war in den 30er Jahren immer wieder Gegenstand von Karikaturen und Witzen. 1938 greift Chaplin diese Ähnlichkeit auf, um eine Filmsatire auf Grundlage der Verwechslung zwischen dem Diktator Adenoid Hynkel und einem kleinen jüdischen Friseur zu entwickeln. Am 1. September 1939, dem Tag des deutschen Einmarschs in Polen, ist die Drehfassung des Filmskripts fertig, am 9. September beginnen die Dreharbeiten.

Mit Der große Diktator hat Chaplin ein Meisterwerk der Filmgeschichte geschaffen: Eine, wie Eisenstein schrieb, “großartige, vernichtende Satire, dem Sieg des menschlichen Geistes über die Unmenschlichkeit zum Ruhm”. Der Film war in vielerlei Hinsicht ein gewagtes Unterfangen: Der große Diktator ist nicht nur Chaplins erster Dialog-Film, zum ersten Mal bekennt er hier auch offen seine politischen Überzeugungen. Die größte Herausforderung freilich lag im Sujet selbst: die Balance zu halten zwischen Chaplins erklärtem Wunsch, die Welt möge über Hitler lachen - und dem Respekt gegenüber den Opfern des Nazi-Terrors. Die während der Dreharbeiten fast täglich eintreffenden Schreckensmeldungen aus Europa machten diese Aufgabe immer schwerer.

Chaplin meistert die Herausforderung in jeder Hinsicht. Niemals ist die Darstellung des Demagogen und seiner willigen Verehrer eindringlicher gelungen. Der Kaiser ist nackt. Im Tanz Hynkels mit der Weltkugel offenbart sich die erbärmliche Leere der immergleichen Diktatorenseele in einer zum Schreien komischen Schärfe, neben der sich etliche thematisch ähnlich gelagerte Filme jüngeren Datums wie cineastische Seminararbeiten ausnehmen. Das Lachen ist in Der große Diktator das Privileg der Menschlichkeit, der Barbarei bleibt das Bellen.

Chaplins Film hat eine Haltung und ein Ziel: er bezieht Stellung angesichts der unübersehbaren größten Katastrophe der Menschheitsgeschichte. Er führt die befreiende Kraft des Lachens an ihr äußerstes Ende: jetzt muss der kleine jüdische Friseur, die Filmfigur, den Platz räumen für den Menschen Charles Spencer Chaplin, der in seiner Schlussrede unverstellt und leidenschaftlich für die Vision einer friedlichen Welt eintritt. Und deshalb, wegen der unverwüstlichen Verwurzelung in seiner Zeit und den Umständen seiner Entstehung, ist Chaplins Der große Diktator bis heute der beste, bewegendste, komischste und wahrhaftigste Propagandafilm für die Menschlichkeit. Überzeugen Sie sich - im Kino!
Text & Foto: Piffl

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