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Sehnsucht

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Romeo und Julia auf dem Dorfe
von Ansgar Thiele

Markus, Ella, Rose. Ein Mann und zwei Frauen Anfang Dreißig. Markus und Ella leben in einem kleinen Dorf in Brandenburg, sind verheiratet, lieben sich. Markus ist Schlosser und Mitglied der freiwilligen Feuerwehr. Bei dem alljährlichen Fortbildungsaufenthalt der Feuerwehr in der Kreisstadt lernt er die Kellnerin Rose kennen.

Eine banale Dreiecksgeschichte – zu deren Stärken gerade ihre Banalität gehört. Valeska Grisebach verzichtet auf äußerliche Dramatik, erzählt lakonisch, elliptisch. Figuren und Handlungsorte sind ganz unglamourös, alltäglich, vertraut. Das hat der Film zum Beispiel mit Wincklers Lucy oder Hochhäuslers Falscher Bekenner gemein. Markus sieht man bei seiner Arbeit in der Schlosserei oder der Werkstatt zuhause, Ella singt im Chor, Familienfeier und Dorffest fehlen ebenso wenig wie die Rituale beim Feuerwehrtreffen (inklusive steife Reden und kleine Feiglinge). Mag sein, dass reales Brandenburgisches Dorfleben anders aussieht. Jedenfalls entsteht ein dichter Realitätseindruck.

Dazu tragen wesentlich auch die schauspielerischen Leistungen bei. Andreas Müller, Ilka Welz und Anett Dornbusch, allesamt ‚Laien’, die im Rahmen eines aufwendigen Castings ausgewählt wurden, nimmt man nicht nur Vertrautheit mit dem Handlungsmilieu ab, sondern auch psychologische Komplexität. Gerade indem sie auf zurückhaltenden, zum Teil fast linkischen Ausdruck setzt, erreicht die Inszenierung ihre starke Wirkung. Die genauen, sparsamen Dialoge verbinden Realismus und Stilisierung, umfassen Gemeinplätze wie poetische und pathetische Töne – und bleiben doch stets glaubwürdig.

Bei allem Realismus vermeidet der Film die Klischees eines dokumentarischen Looks. Statt wackeliger Handkamera ruhige Bilder, die vom Anschein der Zufälligkeit ebenso weit entfernt sind wie von betont artifizieller Gestaltung. Die Regisseurin spricht von einer ‚umgangssprachlichen’ Erzählweise, die auf Allgemeingültiges gerichtet ist.

Denn Sehnsucht erzählt nicht nur eine banale Geschichte. Der Film erzählt, wie etwas überhaupt zu einer Geschichte wird. Mitten im Alltag geht es um große Gefühle, um Schicksal und eben um Sehnsucht. Zwischen den Ehepartnern, in der Frauenrunde, unter Kindern: Überall wird über Romantik geredet, über Liebe, die zum Großbrand wird, über die Frage, ob man miteinander sterben würde. Überall auch mediale Modelle für ein Leben (und Sterben) bigger than life, von Romeo und Julia bis zu Robbie Williams, zu dessen Feel Markus beim Feuerwehrtreffen alleine, mit scheinbar selbstvergessenen, konventionell-pathetischen Gesten tanzt. Die Kollision zwischen Alltag, Leidenschaft, popkulturellen und individuellen Geschichten, die nun folgt, fällt heftig aus. Was tun, wenn’s brennt? Auch dafür zitiert der Film einen Song: „Ich möchte ein Eisbär sein ...“

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