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The Fog - Nebel des Grauens

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KLEINE TASCHENLAMPE, BRENN. Dietmar Kesten 12.1.06 20:37
KLEINE TASCHENLAMPE, BRENN. Dietmar Kesten 17.1.06 17:27

THE FOG - NEBEL DES GRAUENS

KLEINE TASCHENLAMPE, BRENN

von DIETMAR KESTEN, GELSENKIRCHEN, 12. JANUAR 2006.

1979 kam „The Fog“ von John CARPENTER in die Kinos. In diesem Nebel saß man fröstelnd in der Sofaecke, im Parka, mit einer Wolldecke und Hochprozentigem, sah dem Treiben auf der Leinwand zu und bewältigte seine Phobien durch irgendwelche fahrigen Gesten. „The Fog“ In der Originalfassung ließ Kopf und Beine eins werden: sie erstarrten im Nebel, wurden kalt und taub. „Wer fürchtet sich vorm schwarzen Mann“ wurde urplötzlich zur weißen Nebelgestalt, die direkt aus der Leinwand in den Zuschauerraum stieg.

Dieser Nebel war undurchdringlich, legte sich schwer auf alles nieder. Er kam nicht aus irgendeiner Nebelmaschine, sondern ließ sich eindeutig identifizieren: in ihm steckte das Gespür dafür, was aus der Tiefe der menschlichen Psyche herausgeholt werden kann. Es war der Schrei aller Urängste, das Pfeifen, das Tosen, das Heulen. Und alles auf einmal: es war ein weißer Katastrophenauflauf inmitten von Stille, Ruhe und Einsamkeit. Seit dieser Zeit sind die Nebelschwaden ins Land gezogen, die Nebel von Avalon haben sich gelichtet. Sie ziehen von dannen und sind verschwunden.

Doch nicht für Hollywood. Er kann ihn urplötzlich wieder auferstehen lassen. Nicht nur, dass ein Remake nach dem anderen folgt, nein, Hollywood hat bei aller Kritik an diesem Schau - Ins - Land ein Gespür dafür, was Kasse machen könnte, was das verwöhnte Publikum sehen will. „The Fog“ von einst ist vergessen. Ein neuer Nebel taucht auf. Wieder ist der Altmeister daran beteiligt, wenn auch nur als Producer. Doch man sieht, dass er keine Lust mehr hat. Es ist wie bei einem erfolgreichen Bundesligafußballer, der einen neuen hochdotierten 4 - Jahresvertrag abgeschlossen hat: er hat das Geld eingefahren bevor er auch nur einen Ballkontakt hatte.

Rupert WAINWRIGHT („Dillinger“, 1990, „Stigmata“, 1999) heißt der neue Mann, der wie ein Phönix aus dem Nebel aufstieg, kaum bekannt ist, aber die Story vorführen darf. Der Streifen ist wie der Zauberlehrling, dem der richtige Spruch nicht einfällt, um sich aus seiner Verwandlung zu lösen. Hier bläst der Nebel keinem mehr das Licht aus. Er fällt in sich zusammen, bröckelt. Und hinter der getünchten Computerfassade erblickt der Zuschauer nur die weiße Wand einer amerikanischen Produktionsfirma.

Zu allem Übel schockt „The Fog“ den Zuschauer noch mit seinem eigenen Plagiat; denn der Film liefert ein Plagiat im Plagiat ab. Niemand käme sonst auf die Idee, das zu tun. Doch hier ist es möglich. Die Charaktere, die einfach übernommen sind bleiben blass wie der Nebel. Ein sensibles Gespür für das, was möglich wäre, hat niemand mehr. Die Figuren, die einmal davon lebten, ein Eigenleben zu haben, zerfallen im Sumpf der erfolglosen Versuche, der Story eine Eigendynamik zu geben, mit der sie einst angetreten war.

Die Geschichte ist gleich. Oder so ähnlich. Wieder gibt es Antonio Bay, wieder das Segelschiff Elizabeth Dane, wieder den Leuchtturm, die Moderatorin und die Einwohner der Stadt. Und wieder gibt es diese Vorkommnisse unheimlicher Art als Nebel aufzieht. Der Grund dafür ist schnell gefunden: vor 100 Jahren bat eine Schiffsbesatzung mit Leprakranken an Bord, an Land kommen zu dürfen. Doch anstatt erhoffter Hilfe, wurden sie alle aus Habgier getötet. Nun sind sie zurück, um ihr Werk zu vollenden und sich zu rächen.

Alt ist der Klassiker geworden. Jung dagegen das neue Ensemble. Jamie Lee CURTIS, Tom ATKINS und Adrienne BARBEAU sind durch andere Helden ersetzt worden. Hier durch das Pärchen Nick (Tom WELLING) und Elizabeth (Maggie GRACE), Teenys, die im bunten Reigen von Kinogeschichten ihre Vorgänger der
„Scream“ - Saga ersetzen und auch einmal eine Rolle spielen wollen. Dabei fällt auf, dass sie von diesen kleinstädtischen Sprösslingen nicht weit entfernt sind. Die mit Beziehungsproblemen daherkommenden jungen Leute spielen unglaubwürdig ihren Part, so als ob es bei ihnen nur um die Enthaarung von Haut geht: völlig teilnahmslos und unerschrocken. Ihre netten Gesichter bekommen im Nebel noch nicht einmal Falten. Sie bleiben clean.

Alle Träume beginnen im Film mit der Jugend, damit, dass sich aus der Nebelvergangenheit und der Düsternis das befreiende Licht der Erkenntnis herausschält. Hier anscheinend nicht. Wenn die Radiomoderatorin Stevie (Selma BLAIR) erzählt, bekommt man den Eindruck, als ob sie eine Sammlung von Kurzgeschichten anbringen möchte. Das ist einfallslos und runtergespielt. Die Geistermatrosen, bei CARPENTER wenigstens als solche zu erkennen, sind hier fest verankerte Gestalter ohne Charakter. Loosertypen, so wie sie der Meister einst geformt hatte, verschwinden hier zu einem undefinierbaren etwas. Und letztlich bescheren diese Zombies einem wirklich keine schlaflosen Nächte und Alpträume mehr. Die Angst geht nicht mehr um. Diese Neuauflage lässt alles an Ästhetik vermissen, womit CARPENTER einst einen großen Erfolge gefeiert hatte.

Fazit:

Unwichtig und uninteressant.

Dietmar Kesten 12.1.06 20:37